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Innere Energieräuber: Was Dir Kraft raubt, ohne dass Du es bemerkst

vor 14 Stunden
6 Min. Lesezeit



Sabine Pape zum Thema innere Energieräuber und Erschöpfung

Wenn wir über Erschöpfung sprechen, sind wir schnell bei den üblichen Verdächtigen: zu viel Arbeit, zu wenig Schlaf, zu viele Termine, zu wenig Zeit für uns.

Stimmt ja auch alles. Mir ist das nur zu einfach.


Denn Du kennst bestimmt auch diese Tage, an denen eigentlich gar nicht viel passiert ist – und Du sitzt abends trotzdem da und fragst Dich: Warum bin ich so platt?

Manche Energieräuber erkennen wir sofort. Andere sehen überhaupt nicht nach Energieräubern aus. Und genau die finde ich besonders interessant.


Vielleicht lohnt es sich, bei unserer Energie nicht nur darauf zu schauen, was wir den ganzen Tag tun.

Sondern darauf, was wir den ganzen Tag mit uns herumtragen.


Das Schwere ist oft nicht die Aufgabe.

Es ist das Offene.

Da ist dieses Gespräch, das längst fällig wäre.

Die Entscheidung, um die Du seit Wochen einen Bogen machst.

Der Anruf bei Deiner Mutter, den Du vor Dir herschiebst.

Jemand möchte etwas von Dir, und Du sagst Ja – obwohl Du im ersten Moment ganz genau gespürt hast: Eigentlich möchte ich das nicht.


Das sind keine großen Dinge. Von außen sieht man sie gar nicht.

Aber sie bleiben. Im Hinterkopf, in einer feinen Anspannung, in diesem leisen „Ich müsste noch …", das nie ganz verstummt.


Und die Forschung hat dafür sogar einen Namen – einen, den kaum jemand kennt, obwohl er fast hundert Jahre alt ist: den Zeigarnik-Effekt.

Die Psychologin Bluma Zeigarnik beschrieb schon in den 1920er-Jahren, dass unser Kopf Unerledigtes einfach nicht loslässt.


Abgeschlossene Dinge dürfen wir vergessen. Offene bleiben aktiv – wie ein Programm, das im Hintergrund weiterläuft und leise Strom zieht, ohne dass wir es sehen.


Eine aktuelle Auswertung mehrerer Studien hat 2026 genau das bestätigt: Je mehr unerledigte Aufgaben wir mit uns tragen, desto mehr kreisen unsere Gedanken in der freien Zeit weiter – am stärksten bei dem, was uns emotional beschäftigt.

Und, interessant für uns Frauen:

Gerade in Untersuchungen mit einem höheren Frauenanteil zeigte sich dieser Zusammenhang besonders deutlich.


Feierabend heißt noch lange nicht, dass auch im Kopf Feierabend ist

Ich beobachte das bei mir selbst immer wieder.


Man kann wunderbar auf dem Sofa sitzen – und im Kopf längst den nächsten Tag sortieren.

Was muss ich morgen erledigen?

Wem wollte ich noch schreiben?

Habe ich eigentlich daran gedacht …?

Oder Du führst innerlich ein Gespräch, das noch gar nicht stattgefunden hat.


Von außen sieht das nach Pause aus. Innerlich läuft der Betrieb weiter.

Auch dafür interessiert sich die Forschung.


In der Arbeitspsychologie spricht man vom psychologischen Abschalten – und gemeint ist nicht, ob Du Feierabend hast, sondern ob Du Dich auch im Kopf lösen kannst.

Eine große Metaanalyse mit über 38.000 Menschen fand einen klaren Zusammenhang: Wer besser abschalten kann, ist weniger erschöpft, schläft besser und fühlt sich wohler.

Das stellt unsere Vorstellung von Erholung leise auf den Kopf. Nur weil Du gerade nichts tust, heißt das noch nicht, dass Du Dich erholst.


Und dann sind da diese vielen kleinen „Eigentlichs"

Ich mag dieses Wort. Es verrät ziemlich viel.

Eigentlich brauche ich mal eine Pause.

Eigentlich möchte ich das gar nicht.

Eigentlich ist mir das zu viel.

Eigentlich tut mir dieser Kontakt schon lange nicht mehr gut.


Wir sagen solche Sätze schnell dahin. Dabei lohnt es sich, bei ihnen einmal stehenzubleiben.

Denn hör genau hin: In jedem „eigentlich" steckt, dass Du längst etwas wahrgenommen hast.

Das Problem ist also oft gar nicht, dass wir nicht wüssten, was uns guttut oder was uns Kraft kostet.


Wir wissen es längst. Wir reagieren nur nicht darauf.

Und das finde ich hundertmal spannender als die nächste Liste mit zehn Tipps für mehr Energie.


Der Moment vor dem „Ja, klar"

Über das Nein-Sagen ist schon alles geschrieben worden. Mich interessiert inzwischen fast mehr der Moment davor.


Jemand bittet Dich um etwas.

Für einen winzigen Augenblick meldet sich etwas in Dir: Das passt mir gerade nicht.

Ich habe keine Zeit. Ich will nicht. Es wird mir zu viel.


Und dann hörst Du Dich sagen: „Ja, klar."

Einmal ist das nichts. Das passiert jedem.


Aber was passiert, wenn das ständig so läuft?

Wenn Du Deine eigenen Signale sehr wohl wahrnimmst – und regelmäßig über sie hinweggehst?


Dann ist Dein Problem nicht nur, dass Du zu viel zu tun hast.

Dann kostet Dich nicht das Tun die Kraft.Sondern die Tatsache, dass Du immer wieder gegen das handelst, was Du längst gespürt hast.


Ein kleines bisschen gegen Dich leben, jeden Tag. Das steht in keiner To-do-Liste. Es taucht in keinem Kalender auf. Und trotzdem ist es vielleicht der leiseste und größte Energieräuber von allen. Darüber wird für meinen Geschmack viel zu wenig gesprochen.


Wir werden an genau dieser Stelle meistens zu schnell

Wir merken, dass wir erschöpft sind – und suchen sofort nach der Lösung.

Mehr schlafen. Mehr Sport. Grenzen setzen. Handy weg. Gesünder essen.


Alles sinnvoll. Aber manchmal springen wir damit einen Schritt zu weit.

Denn bevor ich etwas verändern kann, sollte ich erst einmal wissen, was bei mir überhaupt los ist. 

Was kostet mich Kraft?

Was tut mir gut?

Wann werde ich unruhig?

Wann werde ich eng?

Was übergehe ich – und was bräuchte ich eigentlich?


Deshalb bekommst Du von mir hier bewusst keine Liste mit typischen Energieräubern.


Probier stattdessen etwas anderes.

Nimm Dir ein Blatt Papier und schreib oben nur diese eine Frage hin:

Was trage ich gerade alles mit mir herum? Manche Energieräuber tragen wir übrigens nicht nur im Kopf mit uns herum. Manchmal stehen sie direkt vor uns: in unseren Räumen. → Wie Dein Zuhause Deine Energie beeinflusst


Und dann schreib auf, was kommt.

Nicht nur Aufgaben – auch Menschen, Gedanken, Entscheidungen, Erwartungen, Sorgen. Die Dinge, bei denen Du immer wieder denkst: Das müsste ich eigentlich mal ändern.


Danach schau Deine Liste noch einmal an und frag Dich in Ruhe:

Was davon beschäftigt mich schon länger?

Wo sage ich Ja und meine Nein?

Welche Entscheidung schiebe ich vor mir her?

Was mache ich nur noch, weil ich es immer so gemacht habe?


Und eine Frage heb Dir bis zum Schluss auf:

Was weiß ich eigentlich längst über mich – und übergehe es trotzdem?


Du musst darauf heute keine Antwort haben. Und es geht auch überhaupt nicht darum, anschließend zehn Dinge in Deinem Leben umzukrempeln. Im Gegenteil.


Zuerst wieder wahrnehmen. Erst dann verändern.

Genau dieses Wahrnehmen ist für mich der Kern von N.A.H.E.

Ich möchte nicht, dass Frauen bei mir noch eine weitere Liste bekommen mit Dingen, die sie ab morgen besser machen sollen. Davon haben die meisten mehr als genug.


Mich interessiert, was passiert, wenn wir erst einmal wieder genauer hinhören.


Auf den Körper. Auf Gefühle. Auf diese kleinen Reaktionen, die im Alltag untergehen.

Und hier kommt etwas ins Spiel, das ich lange selbst unterschätzt habe: unser Geruchssinn.


Denn darum geht es in diesem ganzen Text ja – dass wir vieles längst spüren und uns mit dem Kopf darüber hinwegsetzen.

Und Duft ist der eine Sinn, der den Kopf einfach überspringt.


Er nimmt nicht den Umweg über das Nachdenken, sondern landet direkt dort, wo Gefühle und Erinnerungen sitzen. Bevor Du etwas denkst, hast Du schon etwas gespürt.


Genau deshalb arbeite ich mit reinen ätherischen Ölen.

Nicht, um irgendetwas zu „behandeln" – sondern als das, was ich einen Wahrnehmungsanker nenne.


Ein Beispiel aus meinem Alltag: ein Tropfen in die Handflächen, die Hände kurz über Nase und Mund, ein tiefer Atemzug. Zehn Sekunden, mehr nicht.


Und in diesen zehn Sekunden bin ich nicht mehr im Morgen und nicht mehr in der To-do-Liste.

Ich bin einfach hier. Bei mir.


Aus diesem kleinen Hier-Sein heraus spüre ich plötzlich viel deutlicher, wie es mir eigentlich geht.


Ein bestimmter Duft kann so zu Deinem ganz persönlichen Signal werden:

Jetzt halte ich kurz an. Jetzt höre ich hin. 


Nicht als nächste Aufgabe – sondern als leise Einladung, für einen Augenblick zurück ins Spüren zu kommen. Dorthin, wo Deine „Eigentlichs" wohnen.

Und irgendwann wird aus einem diffusen „Irgendwas stimmt nicht mehr" ein klareres „Ah – das kostet mich so viel Kraft." Aus diesem Verstehen kann etwas wachsen, das ich viel wertvoller finde als den nächsten guten Vorsatz: eine Entscheidung, die wirklich zu Dir passt.

Vielleicht brauchst Du also gar nicht als Erstes mehr Energie.

Vielleicht lohnt es sich zuerst herauszufinden, wo Deine eigentlich bleibt.


Und wenn Dir das gerade zu viel ist – das Blatt, die vielen Fragen –, dann fang einfach noch kleiner an.


Genau dafür habe ich den kostenlosen N.A.H.E.-Selbstcheck gemacht: fünf dieser Fragen, etwa zwei Minuten, kein Richtig und kein Falsch.

Nur ein erstes, leises Hinhören – ganz für Dich.



Deine Antworten bleiben bei Dir. Und falls wir danach einmal miteinander sprechen, helfen sie mir, gleich besser zu verstehen, wo Du gerade stehst.



Quellen

  • Psychologisches Abschalten: Wendsche, J. & Lohmann-Haislah, A. (2017). A Meta-Analysis on Antecedents and Outcomes of Detachment from Work. Frontiers in Psychology, 7:2072. Die Metaanalyse umfasst 86 Publikationen und 38.124 Beschäftigte und fand, dass besseres psychologisches Abschalten mit weniger Erschöpfung, besserem Schlaf, mehr Wohlbefinden und weniger körperlichen Beschwerden zusammenhängt. DOI: 10.3389/fpsyg.2016.02072

  • Unerledigte Aufgaben / Zeigarnik-Effekt: Wendsche, J., Weigelt, O. & Syrek, C. J. (2026). Unfinished work tasks and work-related thoughts during off-job time: meta-analysis of the Zeigarnik effect in a work-recovery context. Anxiety, Stress, & Coping, 39(4), 385–407. Unerledigte Aufgaben hingen mit mehr arbeitsbezogenen Gedanken in der Freizeit zusammen, am stärksten mit affektivem Grübeln; der Frauenanteil der Stichproben war dabei ein bedeutsamer Moderator. DOI: 10.1080/10615806.2026.2616302

 
 
 

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